Schwarzbrot des Glaubens

VON DER FREIHEIT EINES CHRISTENMENSCHEN

Aus dem allen ergibt sich die Folgerung, dass
ein Christenmensch nicht in sich selbst lebt
sondern in Christus und seinem Nächsten; in
Christus durch den Glauben, im Nächsten
durch die Liebe. … Sieh, das ist die rechte,
geistliche und christliche Freiheit, die das Herz
frei macht von allen Sünden, Gesetzen und
Geboten, die alle Freiheit übertrifft wie der
Himmel die Erde. Das gebe uns Gott recht zu
verstehen und zu behalten. Amen.«
(letzter Artikel aus der Schrift: Von der Freiheit
eines Christenmenschen, Martin Luther, Wittenberg
1520)
Freiheit – dieses Sehnsuchtswort bestimmt
evangelisches Christsein von Anfang an und
von seinen Anfängen her.
Da ist die Gewissheit, dass Gott, der ferne Galaxien
schuf auch Wohnung nehmen kann in
mir, in dir, in jedem einzelnen Menschen.
Da ist die Gewissheit, dass Gott, der vor fernen
Zeiten sprach: »Es werde!« auch heute spricht,
zu mir, zu dir zu jedem einzelnen Menschen.
Da ist diese unergründliche Gewissheit, das
unbedingte Vertrauen, geborgen zu sein in
Gott. Diese Gewissheit wirkt, in dieser Gewissheit
lebt Gottes Geist. Und er macht Menschen
zu neuen Geschöpfen.
Als neue Geschöpfe einzutreten für Frieden
und Freiheit und Gerechtigkeit, dass bedeutet
für mich evangelisch sein.
Was auch immer im Himmel und auf Erden
geschieht, es hat nur befreiende Kraft, wenn
es im Vertrauen erfasst wird, dass Gottes
Macht verwandeln kann. Das bezeugt die
Bibel, die Heilige Schrift.
Freiheit ist nicht selbstverständlich, sie strengt
an. Gott offenbart sich einem murrenden Volk
Israel in der Wüste: »Ich bin JHWH, der Gott
der dich aus Ägypten aus der Sklaverei geführt
hat. Du sollst keine anderen Götter
haben neben mir!« (2.Mose 20,2) Ein Gott, der

nicht in die Freiheit führt, ist nicht der wahre
Gott! Gott offenbart sich als Grund der Freiheit.
Er möchte auch dich führen und leiten
zum Vertrauen, zum Glauben an IHN. Der
Glaube, den Gott schenkt, ist eine wunderbare
Kraft. Ein Senfkorn dieses Glauben kann
Berge versetzen (Mt 17, 20/Lk 17, 6). Durch
diesen Glauben haben alle Menschen Kontakt
mit Gott, unabhängig von Herkunft und
Schicht. Verlorene Menschen werden verwandelt
in Gottes Ebenbild, durch das Bild des unsichtbaren
Gottes: Jesus Christus.
Glaube an ihn bedeutet Hoffnung für diese
Welt. Diese bleibt nicht, wie sie ist, auch wenn
unsere Erfahrungen dem allzu oft entgegenstehen.
Durch Jesus Christus ist bezeugt:
Diese Welt bleibt nicht wie sie ist. Sie wird verwandelt.
Mitten in ihr beginnt eine neue Welt.
Wie kleine Kinder staunend, wie Neugeborene
torkelnd haben wir an dieser Welt teil,
dafür steht die Taufe. Die Tür zum Leben ist
offen, der Stein der Todesangst ist von unseren
Herzen weggewälzt: Befreit zur Liebe.
Diese Liebe erkennt im anderen Menschen
das Ebenbild Gottes. Diese Liebe befreit von
Vorurteilen, von Angst. Unglück und Leid machen
Angst. Angst versklavt. Gottes Liebe befreit.
Kreuz und Auferstehung bezeugen:
Unglück und Leid trennen nicht von Gott.
Auch wenn man meint, verlassen zu sein.
Glaube begründet Freiheit, begründet Kirche.
Gott will nicht durch Angst regieren, sondern
Menschen von ihr befreien. In seiner berühmten
Schrift von der Freiheit eines Christenmenschen
macht Martin Luther das sehr deutlich:
Nur durch den Glauben, durch Gott sind wir
allen Dingen verbunden. Nur durch Gott
haben wir die Freiheit, die uns über alle Dinge
hinaushebt. Auch der Tod hat keine Macht
über uns.
Friedrich Prüfer