Andacht Monate Juli August

MONATSSPRUCH FÜR JULI
Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. – Philipper 1,9

Da faltet jemand die Hände, um für mich zu
beten. Mir jedenfalls tut sowas gut.
Vielleicht kennen Sie ja Menschen, die für sie
beten!? In unserer Kirchgemeinde gibt es Menschen,
die treffen sich regelmäßig um für andere
zu beten. In jedem Sonntagsgottesdienst
beten wir für andere, auch für Sie.
Fürbitte ist zentraler Teil jedes Gottesdienstes.
Das ist schon seit über 2000 Jahren so. Schon
Paulus betete für andere: »Ich bete darum,
dass eure Liebe immer noch reicher werde an
Erkenntnis und aller Erfahrung.« Vielleicht
kommen Ihnen diese Zeilen bekannt vor? Sie
werden gerne als Trauspruch ausgesucht. Es
geht um die Liebe, allerdings um eine ganz besondere
Liebe.
Paulus schreibt an eine Kirchgemeinde. Er
betet für Glaubensgeschwister, mit denen ihn
eine innige Beziehung verbindet. »Ich habe
euch in meinem Herzen«, schreibt er, »mich
verlangt nach euch allen«. Philippi war die
erste Gemeinde in Europa, die Paulus gegründet
hatte. Wenn er an sie schreibt, sind sie ihm
nah. Es ist als wären sie unsichtbar alle bei
ihm: Lydia, Evodia, Syntyche, Klemens und all
die anderen.
Paulus weiß sich mit Ihnen verbunden in Christus.
Genauer, in Christus, dem Gekreuzigten,
dem nach den normalen Maßstäben Gescheiterten.
Das ist wichtig zu wissen!
Wenn man die Lage kennt, in der sich Paulus
befindet, würde jeder annehmen, dass Paulus
um Fürbitte bettelt. Er ist gefangen, das heißt
in akuter Todesgefahr. Sein Liebesbrief könnte
auch der letzte sein, den er schreibt, ein Abschiedsbrief.
Doch Paulus sorgt sich weniger
um sich, sondern bittet für andere. Er weiß sich
gerade im Gefängnis, in Todesgefahr in Christus
geborgen. Dort wird diese Liebe stark.
Dort, in dieser Situation kommt diese Liebe, sie
wird geradezu übermächtig, sie trägt in der innigsten
Gewissheit der Christusnähe. Um
diese Liebe, die Christusliebe geht es eigentlich.
Sie ist etwas ganz besonderes und wunderbares.
Sicher geht es auch um Sehnsucht
nach Nähe und Begegnung. Doch anders, als
es unser verengter Blick auf erotisches Begehren,
auf körperliche Zweisamkeit nahelegen
mag. Sicher geht es um zwei ganz wichtigen
Eigenschaften, die über die »Schmetterlinge
im Bauch« hinausgehen, die beide zu jeder
Liebe gehören, die den Lebensalltag in Konflikten
dauerhaft tragen: Erkenntnis und Erfahrung.
Wenn es um Weisheit geht, dann um
Christusweisheit! Paulus und die Gemeindeglieder
teilen eine besondere, geradezu absurde
gemeinsame Erfahrung: Gott handelte
in diesem verschmähten Christus und er handelt
auch weiterhin, der Glaube kann stark werden,
gerade dann wenn ich Leid und
Verfolgung erfahre. Es ist diese Tiefendimension
der Christusliebe: Auch schmerzhafte Erfahrung,
auch Leid und Tod können mich nicht
von Gott trennen. Denn ER hat sich zu Jesus
bekannt. Er hat ihn vom Tod errettet. Er wird
so auch an mir handeln. Im Gebet, in der Gemeinde
sind wir und bleiben wir verbunden,
in Zeit und Ewigkeit. Es geht also um nicht weniger,
als um diese Tiefendimension der Liebe!
Doch dieses »weniger« ist mehr als alles, was
wichtig ist im Leben und im Sterben. Wenn
das keine gute Nachricht ist!
In diesem Sinne bleiben wir verbunden!
Ihnen, auch im Namen aller Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter sowie Kirchvorsteher der Kirchgemeinde
Neustadt,
eine behütete Sommerzeit,
Ihr Pfarrer Friedrich Prüfer