Andacht Jahreslosung 2017

 

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Ich höre mit dem Rauchen auf! Mehr zu Fuß werde ich gehen, Sport treiben! „Spielzeiten“ werden wir in der Familie einführen, damit Papa auch mal Termine zu Hauses hat und die Geschwister nicht immer nur an allein auf ihre Handys gucken. – Lang ist die Liste der guten Vorsätze für das neue Jahr.

Mindestens genauso lang, wenn man die vergangenen Jahre mitberücksichtigt, die Liste der unerfüllten Vorsätze. In der schlechten Bilanz der Misserfolge kann einen schon der Mut für das neue Jahr verlassen. Das kann der Elan einfrieren. Was kriege ich eigentlich hin?

Wie heißt es so treffend: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!“

Das Problem, finde ich, sind  nicht etwa die guten Vorsätze. Jedenfalls die ehrlich gemeinten, die nicht wie Alibis als Cocktailhäppchen gereicht werden. Diese zeigen ja, dass ich mich mit meinem Leben  kritisch auseinandersetze. Und das ich will, dass es besser wird.

Das Problem könnte tiefer liegen. Im Grunde unseres Wesens. Jenseits der Fehlerhaftigkeit, jenseits der Verzagtheit, steht da Sehnsucht nach Sinn, Geborgenheit, nach Neuwerden. Anders gesprochen: Sehnsucht nach Gott. Dieser Grund ist unverfügbar.  Weshalb all das Werkeln mit den Vorsätzen fragwürdig ist.

Ein Leben, dass in der Vergebung seinen Grund hat, muss und wird sich nicht an der Bilanz orientieren! Im kritischen Festhalten der eigenen Schuld muss und werde ich nicht verzweifeln. Dass ich versage, und zwar alle Jahre wieder, ist normal, ist allzu menschlich. Diese irdische Wahrheit ist sehr befreiend. Sie war Martin Luther sehr wichtig, der sie beim Lesen des Römerbriefes des Apostel Paulus für sich entdeckte. Und auch für uns. Für dich und mich.  „Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten.“ (Röm 3,23)

Zur Wurzel des Übels kam die Medizin:  Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus. (Phil. 4, 19 )

Die guten Vorsätze in allen Ehren. Sie sind wichtig auch zu Beginn des neuen Jahres 2017. Sie zeigen, dass wir die Welt nach Gottes Gebot und Weisung gestalten wollen. Wirklich und wahrhaftig alles neu machen: Das ist allein Gottes Werk. Selbst wenn wir es wöllten, niemand kann es.

Es ist die heilsame Unterscheidung zwischen Gottes- und Menschenwerk, die Martin Luther wichtig war.

Es ist diese heilsame Perspektive, der uns in Christus geschenkten und durch ihn wirkmächtigen Gerechtigkeit. Diese hat, wie ich finde, schon der Prophet Ezechiel (in der Lutherbibel: Hesekiel) für Israel entdeckt:

Gott spricht: „Ich will euch ein neues Herz und einen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“

Die Jahreslosung hält Sie für uns fest, mindestens 365 Tage lang.

Was Gott neu macht, kann der Mensch nicht hindern. Und wo er handelt, sollen und können wir nicht abseits stehen. Seine (ehemals in steinernere Tafeln gehauenen) Gebote und Weisungen geben genug Stoff guter Vorsätze für eine ganzes Leben.

Doch ein dauernd perfektioniertes Jagen nach der Erfüllung der guten Vorsätze führt auch zu einem steinernen Herzen, einem Herzen, das unbarmherzig ist mit sich und anderen.

Jesus Christus entdeckt uns, wie es menschlich (fleischlich) gehen könnte: Mit Barmherzigkeit und Nächstenliebe gegenüber uns selbst und unseren Mitmenschen!

In diesem Sinne und im Namen aller Mitarbeiter der Kirchgemeinde:  Ob mit oder ohne gute Vorsätze: Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2017!

 

Bitte um neues Leben 

Geist Gottes, leiser, zärtlicher Atem und starker, kräftiger Sturmwind, komm und belebe uns neu.

Geist Gottes, fege hinein in unser Leben und unsere Kiche, fege hinweg, was darin falsch und verlogen ist.

Geist Gottes, kehre in uns ein, damit wir einsehen, wo wir umkehren und neu anfangen müssen.

Geist Gottes, leuchte uns, damit wir klar sehen, wo unser Licht und unser Dunkel ist.

Geist Gottes, entzünde uns neu, damit das Feuer in uns wieder brennen kann und der Funke überspringt, auf den es ankommt.

Geist Gottes, berate uns gut, damit wir erkennen, was zu tun und zu lassen ist.

Geist Gottes, heile uns, damit wir gesund werden und ganze Menschen, mit Leib und Seele.

Geist Gottes, steck uns an, damit wir Feuer und Flamme werden für dich.

Geist Gottes, treib uns an, damit wir einen neuen Antrieb haben in uns.

Geist Gottes, beflügle uns, damit wir es wagen zu träumen und uns trauen zu kämpfen.

Geist Gottes, reinige uns, damit wir ein aufrichtiges und lauteres Herz bekommen. Amen.

(Evangelisches Gesangbuch BT 886.3)